DR.-ING. MICHAEL GUSTMANN

Kerntechnische Hilfsdienst GmbH – Betriebsleiter

 

Vortragstitel

LERNENDE SYSTEME – VERÄNDERUNGEN IN DER NOTFALLVORSORGE FÜR KERNTECHNISCHE ANLAGEN UND DER ZUNEHMENDE AUTOMATISIERUNGSGRAD EINGESETZTER SYSTEME

In der Bundesrepublik Deutschland wird der Betreiber einer kerntechnischen Anlage durch das Strahlenschutzgesetz verpflichtet, technische und personelle Vorsorge zu treffen, um nach einem Störfall die Anlage zu stabilisieren, die Ursache zu analysieren und die Folgen des Störfalles zu beseitigen.

Die Kerntechnische Hilfsdienst GmbH (KHG) hält im Auftrag der Betreiber zu diesem Zweck Geräte zur Strahlungsmessung und zur Dekontamination sowie eine breite Palette von überwiegend ferngesteuerten Systemen für Einsätze in lebensfeindlicher Umgebung bereit. Es werden permanent Weiterentwicklungen, Bedienertrainings und Übungen an den Anlagen durchgeführt.

Zukünftig sind Veränderungen im organisatorischen Bereich durch den Beschluss zur Abschaltung der Kernkraftwerke in Deutschland bis spätestens zum Jahr 2022 zu erwarten, da eine Verschiebung des Gefährdungspotenzials und eine Dominanz von Lagerstätten für radioaktive Abfälle entsteht. Veränderungen im technischen Bereich werden kontinuierlich vorgenommen, um durch sensorische Erfassung, Visualisierung und Automatisierung eine Entlastung der Systembediener zu erreichen und Vorgänge teilweise automatisiert oder gar autonom ablaufen zu lassen. Dabei ist als Besonderheit in der kerntechnischen Anwendung robotischer Systeme die Strahlentoleranz der On-Board-Elektronik ein beschränkendes Element.

Bei fortschreitender Digitalisierung könnten Roboter, ausgestattet mit Künstlicher Intelligenz, zunehmend selbständig komplexere Aufgaben übernehmen und sich ändernden Bedingungen anpassen. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierte Plattform „Lernende Systeme – Die Plattform für Künstliche Intelligenz“ soll dazu beitragen, Lernende Systeme im Sinne der Menschen und der Gesellschaft zu gestalten. Die KHG arbeitet in der Arbeitsgruppe für das Anwendungsfeld „Lebensfeindliche Umgebungen“ mit.